Aktuelle Ablehnungsquoten der KBV

Laut Auskunft [1] der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), welche eine jährliche allgemeine Gutachterstatistik durchführt, betrug die durchschnittliche Ablehnung im Jahr 2011 in den analytisch begründeten Verfahren für Erwachsene – also in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (TP) und Analytischen Psychotherapie (AP)  zusammen – 4 % (3% in der Verhaltenstherapie) und ist damit im Wesentlichen die gleiche wie in den Vorjahren. 2011 wurden im Bereich TP und AP insgesamt 164 857 Gutachten erstellt.

Die Ablehnungsquote erfasst verständlicherweise nur eine über alle Fälle gemittelte durchschnittliche Ablehnungshäufigkeit. Wie viel Prozent der Anträge der strengste der ca. 90 tätigen Gutachter (für TP und AP) und wie viele der nachsichtigste dieser Gutachter ablehnte, wird mit der so genannten Varianzbreite erfasst. Diese Spanne lag 2011 bei den Ablehnungen von 1% bis 10%, das heißt, der strengste Gutachter lehnte 10% seiner zu begutachtenden Anträge ab und der nachsichtigste nur 1%. Diese Spanne hat sich in den letzten Jahren im Wesentlichen nicht verändert.

 

Ablehnungsquote im Obergutachterverfahren:

Die Ablehnungen im Obergutachterverfahren betrugen in den analytisch begründeten Verfahren (TP & AP)  2011 25 %. D. h., dass drei Viertel aller Fälle, die ins Obergutachterverfahren kamen, anschließend bewilligt wurden. So wäre die bereits o.g. Ablehnungsquote durch den Erstgutachter von 4% nach der Bewilligung durch den Obergutachter entsprechend nach unten zu korrigieren.

Krill (2003, S. 34) schreibt hierzu: „Durch Obergutachten werden [...] über 70 % der strittigen Fälle ,geheilt’.

Was die Bewilligung im Obergutachterverfahren anbetrifft, muss hinzugefügt werden, dass vom Obergutachter bei einer Bewilligung nicht immer alle beantragten Stunden im vollen Umfang auch bewilligt werden. So betrug die so genannte Änderungsquote im Obergutachterverfahren 2011 19%, das heißt, dass knapp ein Fünftel aller Fälle im Obergutachterverfahren zwar bewilligt, aber eben nur mit Änderungen bewilligt werden (in der Regel mit einer reduzierten Bewilligung der beantragten Stunden).

 
Anzahl der Widersprüche:

2011: 1.776 Obergutachten erstelle

...

2008: 2.332 Obergutachten erstellt

2007: 2.064 Obergutachten erstellt

2002: 1.437 Obergutachten erstellt

1999: 403 Obergutachten erstellt

1997: 390 Obergutachten erstellt

1996: 374 Obergutachten erstellt

1995: 558 Obergutachten erstellt

(Zahlen KBV, ergänzt  nach Köhlke 1999)

 

Bei den o.g. Zahlen ist indes zu berücksichtigen, dass z.B. im Jahr 2008 hingegen auch über vier mal mehr Obergutachten im Vergleich zu 1995 erstellt wurden. Zum einen aufgrund der höheren Fallzahlen, zum anderen auch aufgrund der denkbaren höheren Bereitschaft der Antragsteller Widerspruch gegen eine Ablehnung einzureichen

Eine echte Ablehnung muss erstmal verkraftet werden. „Machtdemonstrierende oder unsensibel formulierte gutachterliche Ablehnungen können […] nicht nur Kränkungen bedeuten, sondern […] durchaus Motivationskrisen und dauerhafte Widerstände auslösen“ (Köhlke 1999, S. 90). Dennoch weißt auch Krill (2003) zu Recht daraufhin: Der Umgangston in den Gutachten ist in der Regel höflich und sachlich. [...] Nach einer Ablehnung durch den Gutachter enthalten die zustimmenden Obergutachten, die ich gesehen habe, die ,Begründung’, nun könne man auf neue, ergänzende Informationen zurückgreifen und so die Therapie doch befürworten. Zweifel seien anfangs begründet gewesen, aber nun ,relativiert’. Somit wird vermieden, dass der Gutachter bloßgestellt wird“( S. 33-34).

 

2011 waren im Bereich TP und AP zur Bearbeitung von Erst- und Fortführungsanträgen insgesamt 88 GutachterInnen und 14 ObergutachterInnen tätig. Zusätzlich bearbeiten in diesem Bereich ca. 15 GutachterInnen noch einige Fortführungsanträge.


Weitere ausführliche Angaben entnehmen Sie bitte "Bericht abgelehnt- was nun? " sowie meinem "Handbuch Psychotherapieantrag" bei Schattauer.


[1] Herrn Dr. Dahm; KBV, Referatsleiter Bereich Psychotherapie, wird für seine freundliche Unterstützung durch Weitergabe der entsprechenden Zahlenangaben auch hier besonders gedankt.