Zukunft und Perspektive des Gutachterverfahrens


Vor dem Hintergrund der andauernden kontroversen Pro- und Contra Debatte über Sinn, Zweck und Wirtschaftlichkeit des Gutachterverfahrens schlagen einige Autoren unterschiedliche Verbesserungsvorschläge vor.
Die folgende Auflistung fasst die im Wesentlichen von  Vogel, Lemisz, Liebeck und Palm (2002) dargestellten Vorschläge zusammen:

  • Neben den Gutachtern könne man nach Vogel et al. (2002) auch die Therapeuten zur Teilnahme an Qualitätszirkeln verpflichten. Eine derartige Teilnahme würde dann durch Entlastungen, bspw. bei der Begutachtung honoriert werden. (vgl. DPTV, 2001)

  • Um die Unterschiedlichkeit in den Bewertungsergebnissen der Gutachter zu verringern schlagen Altherr et al. die Einführung von Qualitätszirkeln vor, zu denen sich die Gutachter zusammenfinden könnten. (Definition von objektiven Kriterien zur Verbesserung der Interrater-Reliabilität)

  • Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung des Gutachterverfahrens sehen die Autoren in der Einführung von verpflichtenden Abschlussberichten durch die Therapeuten. Hierdurch würde die Kostenerstattung abhängig gemacht werden vom Erreichen des angekündigten Heilungszustands. Hierzu merken Vogel, Lemisz, Liebeck und Palm süffisant an: „Auch im alten China soll der Arzt das Honorar nur bei erfolgreicher Behandlung beansprucht haben können“ (2002, S.

  • Auch die Patienten wurden in der Frage der Verbesserung des Gutachterverfahrens bereits in den Blick genommen: Man solle sie selbst zu Wort kommen lassen, indem man eigene schriftliche Schilderungen oder gar Symptomlisten oder Standardfragebögen beim Antrag berücksichtigen solle (Vogel et al. 2002). Die Autoren merken hierzu an, dass dies „erwägenswert“ (S. 230) und bereits von Köhlke in Form von entsprechenden Handreichungen und Formularen vorgeschlagen und publiziert wurde (Köhlke, 1998, 2000; zit. n. Vogel et al. 2002). 
  • Vogel et al. (2002) postulieren, dass eine Weiterentwicklung des Gutachterverfahrens die „Funktion externer Qualitätssicherung“ (S. 230) berücksichtigen sollte. Hiermit meinen Sie, dass die Art und Weise wie Patienten den Zugang zu Psychotherapeuten finden genauer geprüft werden sollte. Oft erfolge die Entscheidung eines Patienten für einen Therapeuten zufällig, willkürlich. Inwieweit Störungsbild und Behandlungsform (PA, TP oder VT) gut übereinstimmen, werde hierdurch nicht sichergestellt.

  • Damit das Gutachterverfahren „dem gelegentlich reklamierten Anspruch, ein Peer-Review-Verfahren [dt. etwa kollegiale Überprüfung; Anm. d. Verf.] zu sein, etwas näher“ (ebd.)  kommen kann, schlagen die Autoren vor, dass „alle zugelassenen Psychotherapeuten oder zumindest alle zugelassenen Supervisoren“ (ebd.) für bestimmte Zeiten zu Gutachtern berufen werden. Hierdurch würde das Verfahren, in welchem Psychotherapeuten zu Gutachtern berufen werden, transparenter gemacht.

  • Ferner schlagen Vogel et al. (2002, S. 230) vor: „Das Gutachterverfahren könnte sich auf Stichprobenprüfungen beschränken und diese gegebenenfalls um persönliche Begutachtungen, Verlaufsbögen oder Ähnliches erweitern [vgl. Merod und Vogel, 2002a].“

  • Abschließend konstatieren Vogel et al. (2002) mit Blick auf die drei Richtlinienverfahren Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sowie Verhaltenstherapie: „Man könnte schließlich gar die anachronistische Schulenbezogenheit der Psychotherapie-Richtlinien aufheben oder zumindest eingrenzen, vergleichbare Stundenkontingente für alle Psychotherapeuten festlegen und sie auf einen störungsbezogenen und evidenzbasierten Therapieplan verpflichten [vgl. Vogel et al., 1999].“ (Vogel et al., 2002, S. 231)


Die Diskussion hierzu dauert an.

Literatur:
Vogel H., Lemisz W., Liebeck H, Palm W.: Zur Bewertung des Gutachterverfahrens für die ambulanten Verhaltenstherapie durch die GutachterInnen. In: Verhaltenstherapie 2002; 12: 228-231.
Deutscher Psychotherapeuten Verband /DPTV: Modellprojekt zur Erprobung  eines Qualitätssicherungssystem in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung, Psychotherapeutenforum 2001; 8: 17-25.